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Ernte gut, alles gut.

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Was den Bauern von anderen Berufsgruppen unterscheidet? In wohl wenigen Tätigkeitsbereichen muss man fast ein ganzes Jahr lang warten, um zu sehen, ob man gute Arbeit geleistet hat. Und auch wenn man sich noch so viel Mühe gibt, kann ein trockenes Frühjahr, Schneckenfraß, Bodenfrost oder zu viel Regen die ganze Arbeit zunichtemachen. Denn der Bauer - egal wie modern technisiert - ist auf die Umwelt und das Wetter angewiesen. Da helfen weder Spritz- noch Düngemittel. Und schon gar kein Glyphosat. Hörner mit Kuhmist übrigens ebensowenig. Dementsprechend lässt sich meistens schlecht voraussagen, wie gut das Jahr wird. Oft wurden schlecht vorrausgesagte Ernten zum Bombenjahr. Andersrum ist es jedoch fieser. Man denkt, dass alle Parameter perfekt sind und trotzdem ist der Ertrag eher durchschnittlich. Woran hat es dann gelegen? Falsche Sorte? Falsche Pflege? Falscher Erntezeitpunkt? Sowohl die erfahrensten Bauern als auch die klügsten Wissenschaftler wissen oft die Antwort nicht. Oder können es zumindest nur vermuten. Landwirtschaft bleibt also spannend.
Besonders bemerkbar macht sich diese Aufregung vor und während der Ernte. Gerade in diesem Jahr hatten wir auf der Sonneninsel Pech und es hat viel geregnet. Das Getreide und der Raps waren andauernd nass. Feuchtes Getreide bedeuten Abzüge bei dem Preis, den der Bauer für die Ernte bekommt. Zu lange darf man allerdings auch nicht warten, sonst leidet die Qualität des Getreides - was natürlich wieder Abzüge bedeutet. Und selbst wenn beides gut aussieht, kann der Weltmarkpreis für Weizen, Gerste oder Raps so tief im Keller sein, dass sich der Verkauf nicht lohnt. Einlagern ist dann die Devise. Und wenn man das beim Landhandel machen muss, weil man auf dem Hof keine eigene Trocknung besitzt, dann bedeutet das was? Richtig! Abzüge.
Auch wenn die Preise, das Wetter und der Ertrag stimmen, kann ja immernoch der Mähdrescher kaputt gehen. Unserer geht mindestens einmal pro Ernte kaputt. Das spektulärste Mal war, als mein Mann mit dem Drescher - fast ein Oldtimer - auf den Hof gefahren kam und mir nur zurief: "Ich muss mal schnell den Schaltknüppel wieder festschweißen!". Mein Gesicht hätte ich gerne gesehen! Zum Glück ist mein Mann breitenbegabt und kann so gut wie alles selber reparieren. Eigentlich ist er ein bisschen wie MacGyver mit aktuellerem Haarschnitt. Dieses Jahr ist irgendein Riemen gerissen und ein Lager kaputt gegangen. So genau versteh ich das auch meistens nicht. Das ist auch nicht so wichig, denk ich. Es ist für mich schon spannend genug! Und so versuche ich alles, um wenigstens alle von mir beeinflussbaren Umstände so schön wie möglich zu gestalten. Ich liebe es, meinen "Erntekuchen" zu backen oder das Abendbrot in einem schönen Korb mit allerlei liebevoll zubereiteten Kleinigkeiten an das Feld zu bringen. In der Erntezeit gibt jeder alles was er kann. Für mich fühlt es sich immer an wie ein unterdrücktes Lachen, was schon im Bauch kitzelt und man am liebsten losprusten will. Es ist irgendwie aufregend, aber schön. Und inzwischen kann ich sehr gut nachvollziehen, als meine Schwägerin mir an einem warmen Sommertag mit Mähdreschergeräuschen im Hintergrund gestehen musste, dass sie immernoch ein Tränchen im Auge hat, wenn der Mähdrescher das erste Mal zum Feld fährt und die Ernte beginnt.

2 Comments

  1. Jo sagt:

    Wirklich schön geschrieben, Kathrin.

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