Warum Fehmarn einfach glücklich macht

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Warum Fehmarn einfach glücklich macht

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Was nicht alle wissen: Ich bin eigentlich gar keine echte Fehmaranerin. Ich bin streng genommen noch nicht mal eine echte Landfrau. Denn ich komme mitten aus der Großstadt. Aus dem Herzen des Ruhrgebiets. Aus Essen.

Um ehrlich zu sein, war es nie mein Plan hier auf Fehmarn zu landen. Nach meinem Studium in Kiel hatte ich vor nach Hamburg oder Berlin zu gehen. Notfalls auch nach München. Und einen coolen, hippen Job haben. Irgendetwas im Bereich Marketing am besten. Zwar war für die spätere Familienplanung schon ein ländlicheres Leben vorgesehen, aber erstmal sollte es das Leben auf der Überholspur sein. Die öden Bauernschnösel an der Uni belächelte ich mit meinen Freundinnen. Die lebten in ihrer eigenen Welt, in der sich alles um Hektar und Treckern zu drehen schien.

Doch dann lernte ich Daniel kennen - meinen jetztigen Mann. Wir waren uns schon in der Mensa oder in der Bibliothek häufiger über den Weg gelaufen. In einer Lernpause, die alle Studenten im heiratsfähigem Alter im Vorraum der Bibliothek verbringen, kamen wir dann irgendwann ins Gespräch. Das war schon ziemlich am Ende meines Studiums und ich war bereits "eingenordet" - hatte also die Kühle und Klarheit sowohl beim norddeutschen Wetter als auch beim Norddeutschen per se zu händeln und zu schätzen gelernt.

Nun kann man über meinen Mann vieles sagen, nur nicht, dass er wie der typische Bauer aussieht. Mit längerem, blonden, lockigem Haar ist er äußerlich er seinem Hobby - dem Surfen - zuzuordnen. Und da wir gerade beim Schubladendenken sind: Ja, welche Frau war denn noch nie von einem coolen Surfer angetan? Nichtsahnend führte ich also stundenlange Gespräche mit meinem Surfer und stellte erst nach und nach fest, dass er nicht nur Agrarwissenschaften studiert hat, sondern auch vom Hof kommt. Bereits auf Wolke sieben konnte ich mir natürlich plötzlich sehr gut ein Leben auf dem Hof, ein Leben auf Fehmarn vorstellen. Gesagt, getan. Wir bändelten nicht besonders lang, sondern machten ziemlich schnell Nägeln mit Köpfen. Ein Jahr nach unserem Kennenlernen zogen wir nach Fehmarn. Die erste Ernüchterung kam leider schnell, denn Jobs gibt es hier vielleicht genug. Allerdings kaum im Bereich Ernährung oder Lebensmittel. Als Master im Fach Ökotrophologie ist man in Ostholstein leider gänzlich überqualifiziert. Das bestätigte mir der unsichere Herr beim Arbeitsamt ebenfalls. Vielleicht hatte er schon mal schlechte Erfahrung mit Akademikern gesammelt.

Also konzentrierte ich mich erstmal auf die Arbeit am Hof. Ich übernahm die Ferienvermietung, überarbeitete die Homepage sowie den bürokratischen Teil und half Daniel, wo ich nur konnte. Vor allem die Arbeit draußen machte riesigen Spaß. Ich lernte schnell, dass ein alter Hof einem Fass ohne Boden gleicht und es wirklich immer etwas zu tun bzw zu reparieren gibt. Langweilig wurde uns nicht. Im Gegenteil. Wenn wir ein Projekt abgeschlossen hatten, beflügelte uns das nur umso mehr weiterzumachen.

Und wie sollte es auch anders sein, kündigte sich schnell der erste Nachwuchs an. Inzwischen sind wir glückliche Eltern von zwei kleinen Jungs, die uns ganz schön auf Trab halten. Ich kann nur sagen, dass wir hier unseren ganz eigenen, kleinen Traum von Bullerbü leben. Irgendwie scheint die Welt hier noch ein bisschen mehr in Ordnung zu sein als anderswo. Ich empfinde die Arbeit und das Leben als sehr erfüllend und bin inzwischen heilfroh nicht in einem großen Unternehmen verheizt zu werden. Seinen eigenen Kindern den Traum von einem Leben auf dem Bauernhof zu bieten zu können, ist für mich großes Glück. Und auch ich genieße es hier sehr. Man hat hier alle Freiheit, um sich komplett entfalten zu können. Und sollte der Hof mal nicht ausreichen, fahren wir einfach an einen der unzähligen Strände und werfen Steine ins Meer, bauen Sandburgen mit Gräben oder fischen mit dem Kescher nach Krebsen. Und das ist nur eine von vielen Möglichkeiten, die die Natur von Fehmarn zu bieten hat.

Aber auch ohne Kinder wird einem hier nicht so schnell langweilig. Im Sommer ist die Insel voll von Feriengästen. Jedes Wochenende ist was los. Handwerkermarkt, Surf Cup, Drachen- oder Bulli Festival. Wer will, kann sich jedes Wochenende ins Getümmel stürzen. Das Schöne ist jedoch, dass man auch trotz vieler Touristen noch die nicht so überlaufenden Ecken findet. Gerade jetzt im Mai, wenn der Raps unsere schöne Insel in ein sattes Gelb taucht, lohnt es sich die Umgebung auf dem Rad zu erkunden. Obwohl ich seit vier Jahren auf Fehmarn lebe, entdecke ich immer wieder versteckte Lädchen und schöne Orte. Der Blick in die Weite lässt einen runterkommen. Der Strand vor der Haustür ist Luxus.

Oft habe ich das Gefühl von meinen Freundinnen in der Stadt belächelt zu werden. Und noch öfter kam ich mir klein vor, wenn sie von ihren coolen Jobs mit 60 Stunden pro Woche erzählen. Es ist schwer zu erklären, dass wir auf dem Hof letztendlich immer arbeiten. Denn Freizeit und Arbeit gehen fließend ineinander über. Dabei können wir jedoch völlig frei über unsere Work-Life Ballance entscheiden. Natürlich arbeiten wir oft am Wochenende. Aber dafür gehen wir dienstags eben an den Strand.

Inzwischen versuche ich mich von dem Gefühl zu distanzieren, mich rechtfertigen zu müssen und auf das hören, was mein Herz mir sagt. Nämlich: Fehmarn tut mir gut. Fehmarn macht mich glücklich. Und letzten Endes ist es doch genau das was zählt im Leben. Glücklich sein.

2 Comments

  1. Ulla L sagt:

    Liebe Kathrin,

    tja, das Schicksal nimmt manchmal ganz andere Wege, mit denen man selber nie gerechnet hätte. Ich lese aus den Zeilen, dass Du angekommen bist. Es ist eine Liebeserklärung an Deinen blond gelockten Surfer 😉 und an die Insel und das Leben dort. Ich kenne Fehmarn nun seit fast 38 Jahren. mal gab es einen kurzen und mal einen längeren Aufenthalt für mich. Da ich meinen Mann im Lipperland gefunden habe 😉 der dann für mich in die Großstadt kam, bin ich froh, dass er und später meine beiden Kinder ihr Herz ebenfalls an Fehmarn verloren haben und wir somit der Insel treu bleiben konnten. Manchmal bedauere ich es, dass sie so weit weg ist und beneide die, die dort immer leben dürfen. Was natürlich auch nicht immer leicht ist.
    Auf jeden Fall freue ich mich, dass es Dir dort so gut gefällt und ich freue mich auf die Zeit, wenn ich wieder Urlaub bei Euch machen kann.
    Und überhaupt, ich bin von Deinem Bericht begeistert.
    Herzliche Grüße
    Ulla

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